Künstliche Intelligenz wird zu Innovation, wenn sie Nutzen stiftet

20.11.2019 - Veranstaltung

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Gruppenbild Standortdialog 2019: (v.l.): Stephan Sigrist (W.I.R.E.), Reto Brennwald (Moderator), Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Dirk Helbing (ETH), Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh, Stefan Pabst (W.I.R.E.), Sophia Borowka (Caressoma), Datenschützer Bruno Baeriswyl, Staatsschreiberin Kathrin Arioli, Peter Ohnemus (dacadoo), Regierungsrat Mario Fehr, Regierungsrat Ernst Stocker

Was ist künstliche Intelligenz? Was bedeutet sie für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik? Und ist der Kanton Zürich bei diesem Thema richtig aufgestellt? Der traditionelle Standortdialog mit dem Regierungsrat beschäftigte sich mit Fragen rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Fazit: Der Kanton Zürich hat optimale Voraussetzungen, ganz vorne mit dabei zu sein. Es braucht aber den Schulterschluss zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie geeignete Rahmenbedingungen. Und es braucht einen offenen gesellschaftlichen Diskurs über das Gleichgewicht zwischen Innovation und Privatsphäre.

Der Austausch von Zürcher Regierungsmitgliedern mit Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft anlässlich des vom Amt für Wirtschaft und Arbeit organisierten Standortdialogs hat Tradition und griff wiederum ein aktuelles Thema auf: Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Wo die einen grosse Zukunftschancen zum Wohle der Menschheit sehen, dominieren bei anderen Ängste und Befürchtungen. Klar ist, dass sich das eine nicht losgelöst vom anderen diskutieren lässt.

Optimale Voraussetzungen für eine Vorreiterrolle

Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh gab sich in Ihrem Begrüssungsreferat überzeugt, dass der Kanton Zürich optimale Voraussetzungen mitbringt, um im Bereich der künstlichen Intelligenz eine Vorreiterrolle einnehmen zu können. «Unser einzigartiges Ökosystem mit führenden Hochschulen, einer innovativen Startup- und Hightech Szene sowie internationalen Unternehmen ist der ideale Nährboden für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Walker Späh ist sich aber auch bewusst, dass der Erfolg kein Selbstläufer ist. Im Gegenteil: Es brauche dafür den Schulterschluss zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die richtigen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und auch den gesellschaftlichen Diskurs über die vielen noch offenen Fragen. «Wo ist das Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und Innovation? Wie stellen wir sicher, dass auch künftig alle eine Beschäftigung haben, wenn intelligente Maschinen uns künftig die Arbeit nicht nur erleichtern, sondern uns eines Tages ersetzen?»

Künstliche Intelligenz braucht die Menschen

«Muster erkennen und aus diesen Mustern lernen» - Das ist laut Stephan Sigrist und Stefan Pabst vom Think Tank W.I.R.E. das Grundprinzip der künstlichen Intelligenz. Maschinen können unter anderem empfehlen, entscheiden, vorhersagen, kommunizieren oder Bewegungen steuern. Dafür gäbe es schon heute interessante Anwendungen, vor allem auch im medizinischen Bereich, für die Erkennung von Krankheitsrisiken, Empfehlungen für Therapien oder auch konkrete virtuelle Hilfe für den Alltag von Pflegebedürftigen und personalisierte Prothesen. Zu den Problemfeldern zählen gemäss W.I.R.E. unter anderem der teils immense Energieverbrauch, die kaum einschätzbare «Black Box» und die nicht in genügendem Masse vorhandenen Daten. Klar sei, dass künstliche Intelligenz je länger je mehr zur Normalität werde, jedoch immer auch Interaktion mit dem Menschen und der Umgebung erfordere. Herausfordernd sei, die technische Infrastruktur aufzubauen, die gesellschaftlichen und ethischen Grundsätze für die Verwendung von künstlicher Intelligenz zu definieren und auch die Bildungs- und Forschungssysteme anzupassen. Schlussendlich gehe es auch um den Aufbau von Vertrauen. «Künstliche Intelligenz wird nur zur Innovation, wenn sie auch Nutzen stiftet.»

Die Frage der Sozialverträglichkeit

Das Thema Vertrauen stand auch im Fokus der von Reto Brennwald moderierten Podiumsdiskussion mit Datenschützer Bruno Baeriswyl und ETH-Professor Dirk Helbing. Zur Podiumsrunde gehörten weiter Sophia Borowka (Caressoma AG) und Peter Ohnemus (dacadoo AG). Beide sind mit ihren Unternehmen aktiv in der Gesundheitsprävention und setzen dabei auch auf künstliche Intelligenz. Von Unternehmerseite kam die kritische Bemerkung, dass Zürich zwar tatsächlich gute Voraussetzungen mitbringe, im Vergleich zu den USA oder China aber klar hinterherhinke. Datenschützer Baeriswyl stellte klar, dass die Frage der Sozialverträglichkeit gestellt werden muss. «Als freiheitliche Gesellschaft müssen wir Konsens für die Grundwerte haben». Dirk Helbing sprach von einem grossen Potential, das aber auch Zielkonflikte mit sich bringe. «Es stellen sich fundamentale ethische Fragen.»

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