Silberne Ehrenmedaille für Jean-Claude Juncker

20.09.2016 - Veranstaltung

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Ehrenmedaille Juncker 6

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, gastierte am Montagabend in Zürich. Als Gast des Europa Instituts an der Universität Zürich EIZ hielt er eine Rede anlässlich der Jubiläumsfeier zum 70. Jahrestag der Europarede von Winston Churchill an der Universität Zürich. Beim anschliessenden Abendessen überreichte ihm Regierungsrat Thomas Heiniger die silberne Ehrenmedaille des Regierungsrates.

Zürich feierte am Montagabend den 70. Jahrestag von Winston Churchills Rede, in der der britische Kriegspremier seine Vision in Europa dargelegt hatte. Churchill rief damals in der Aula der Universität Zürich dazu auf, aus den Trümmern des kriegsversehrten europäischen Kontinents eine neue «europäische Familie», vielleicht gar die «Vereinigten Staaten von Europa» zu errichten.  

«Let’s do it»

Es entbehre nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet ein Brite aus der Schweiz heraus die Zukunft Europas skizziert habe, eröffnete Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in seiner Rede den Abend. Die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU sei eine Erfolgsgeschichte. Man begegne sich auf Augenhöhe und es bestehe eine enge Partnerschaft zum Nutzen ganz Europas. Europa profitiere von einer starken Schweiz, so Schneider-Ammann. Der gegenseitige Warenaustausch habe ein Volumen von rund einer Milliarde Franken pro Arbeitstag und Europa bleibe ein starker Partner für die Schweiz. Es gelte gemeinsam Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise solidarisch anzugehen.

Europa müsse der führende Innovationskontinent betreffend Wissen und Forschung sein und den Aufbruch wagen, nicht im Silicon Valley, sondern in London, Berlin, Paris und natürlich in Zürich und Dübendorf, wo ja ein Innovationspark in Planung sei. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe ihm am Vormittag gesagt, wenn die Schweiz das Kroatien-Protokoll, also die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien, ratifiziere, dann sei die Schweiz auch beim Forschungsprogramm Horizon 2020 mit dabei, so der Bundespräsident. «Also – let’s do it!».  

«Es geht nicht um mehr Europa, es geht um ein besseres Europa»

Ehrenmedaille Juncker 7

Die EU sei kein Projekt der Elite, sagte der als Hauptredner geladene EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Elite bewirke nie alles, sie fange einzig etwas auf. Die EU sei ein Projekt der Völker, die aus der Nachkriegszeit ein politisches Programm entwickelt hätten. Diese Generation, die von den Fronten und aus den Konzentrationslagern zurück in ihre zerstörten Dörfer und Städte gekehrt sei, habe das europäische Programm entwickelt, das bis heute seine Wirkung habe.

Wenn er von Reisen aus Afrika oder Asien nach Brüssel zurückkehre, steige er mit Bauchschmerzen aus dem Flugzeug aus, wenn er dann an die Menschen denke, die uns beneiden. «Wir hatten noch nie eine solange Friedenszeit in Europa, das ist ein riesiger Erfolg», sagte Juncker. Er würdigte die gemeinsame Währung, die Europa während der Finanzkrise vor einem Chaos bewahrt habe und unterstrich die Bedeutung Europas als grösster Binnenmarkt der Welt. «Es geht nicht um mehr Europa, es geht um ein besseres Europa», so Juncker. Europa müsse die Bürokratie abbauen, sich modernisieren und Verspätungen aufholen in Bereichen wie Technologie und Digitalisierung.  

Europa muss sich der Verantwortung stellen

60 Millionen Menschen seien heute auf der Flucht, das seien mehr als nach dem 2. Weltkrieg. Noch sei es für Europa ein kleines Problem, so der EU-Kommissionspräsident. Doch die Türkei habe heute schon 3,5 Millionen Flüchtlinge. Und wenn er bei Jordaniens König zu Besuch sei und dann höre, dass 25 % der Bevölkerung Flüchtlinge seien, dann sei es ihm peinlich, wenn er an die Klagen der Europäer denke, sagte Juncker. Europa müsse sich seiner Verantwortung stellen.

In Anlehnung an die Rede von Winston Churchill vor 70 Jahren sagte der EU-Kommissionspräsident, er sei dagegen, dass die «Vereinigten Staaten von Europa» entstünden. Europa solle sich so erhalten wie es ist und seine Eigentümlichkeiten behalten. Europa sei der kleinste Kontinent der Welt. Seine wirtschaftliche und demografische Bedeutung nehme dramatisch ab, bald spiele man nicht mehr im Konzert der Grossen mit. Kleinstaaterei sei kein Konzept für die Zukunft. Europa müsse lernen, seine Geschicke und Geschichte gemeinsam anzugehen. Es gehe nun darum, Europa zu einem besseren Ort zu machen. Europa dürfe nicht zulassen, dass es tausende von jungen Arbeitslosen gebe. Und mit Blick auf Afrika sagte Jean-Claude Juncker schliesslich: «25'000 Kinder sterben täglich den Hungertod. Solange das so ist, ist Europa nicht fertig.»

Silberne Ehrenmedaille für den Gast

Beim anschliessenden Abendessen begrüsste Regierungsrat Thomas Heiniger, in Anwesenheit von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und Regierungsrätin Jacqueline Fehr, den Ehrengast. «Beim Blick in die Liste der Auszeichnungen, mit denen Sie schon beehrt wurden, könnte man erneut neidisch werden. Ihre breite Erfahrung, die können Sie dieser Tage indessen auch gut gebrauchen. Denn der Herausforderungen in Europa sind genug», sagte Heiniger in seiner Laudatio. Er dankte dem EU-Kommissionspräsidenten für sein Engagement und die Denkanstösse, die er den Anwesenden mit auf den Weg gegeben hat.

Im Namen des Regierungsrates überreichte Thomas Heiniger dem Präsidenten der Europäischen Kommission die silberne Ehrenmedaille des Regierungsrates.

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