Damit Menschen mit Demenz so lange wie möglich in der Gesellschaft integriert bleiben

12.07.2018 - Medienmitteilung

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Die nationale Demenzstrategie wird im Kanton Zürich aktiv umgesetzt. Um der Bedeutung von Demenz als gesamtgesellschaftlicher Herausforderung gerecht zu werden, ist die Koordination zwischen Behörden, Leistungserbringern und privaten Organisationen entscheidend. Zum Auftakt des Zürcher Demenzforums, das heute zum fünften Mal stattfindet, haben Regierungsrat, Gemeindepräsidentenverband, Alzheimervereinigung und Pro Senectute Kanton Zürich gemeinsam über den Stand der Massnahmen und die weiteren Schritte informiert ‒ damit Menschen mit Demenz so lange wie möglich im gesellschaftlichen Alltag integriert bleiben.

Gegen 25'000 Menschen mit Demenz leben heute im Kanton Zürich. Bis 2040 wird sich die Zahl der Betroffenen voraussichtlich auf 50'000 verdoppeln. Pro betroffene Person sind durchschnittlich drei Angehörige mitbetroffen, da sie in die Betreuung einbezogen sind. Hochgerechnet heisst das: Demenz bestimmt bereits heute bei insgesamt 100'000 Zürcherinnen und Zürchern den Alltag mit ‒ Tendenz: steigend. Dass Menschen mit Demenz so lange wie möglich im gesellschaftlichen Alltag integriert bleiben, ist eines der wichtigsten Ziele aller an der Versorgung beteiligten Organisationen und Institutionen und nicht zuletzt der Betroffenen und ihrer Angehörigen selbst. Dazu müssen aber auch die Voraussetzungen gegeben sein oder geschaffen werden: Nur wenn das Umfeld ‒ die Nachbarschaft, das lokale Gewerbe, die örtlichen Vereine und Kirchen, die Organisationen des öffentlichen Verkehrs, Wirtschaft und Politik usw. ‒ den Menschen mit Demenz angemessen begegnet, können diese auch mit fortschreitenden Einschränkungen in der angestammten Umgebung verbleiben.

Demenz ist auch deshalb ein Thema, das gesamtgesellschaftlich anzugehen ist. Diesem Umstand wird bei der Umsetzung der nationalen Demenzstrategie, die seit 2014 läuft, im Kanton Zürich Rechnung getragen. Alle involvierten Akteure und Stellen ‒ Patientenorganisationen, Gesundheitsversorger, Behörden, Politik, Bildung und Forschung ‒ verstehen die Umsetzung der nationalen Strategie auf kantonaler Ebene als gemeinsame Aufgabe, unabhängig von ihren unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. Seit 2015 treffen sie sich einmal im Jahr im Rahmen des Zürcher Demenzforums zur Standortbestimmung. Die Gesundheitsdirektion stellt damit die Aufgabe des Kantons als Koordinator und Vermittler im Demenzbereich sicher.

Angebote, Instrumente und Grundlagen entwickelt

Zum Auftakt des diesjährigen Forums haben Regierungsrat, Gemeindepräsidentenverband, Alzheimervereinigung und Pro Senecute Kanton Zürich an einer Medienkonferenz gemeinsam über den Stand der Umsetzung der nationalen Strategie und die nächsten Schritte informiert. In den vier Umsetzungsjahren sind verschiedene Angebote, Instrumente und Grundlagen entwickelt worden. So ist einerseits ein Beratungs- und Unterstützungsangebot entwickelt worden, das sich an Menschen mit Demenz und Angehörige richtet, die dies wünschen («Zugehende Beratung»). Anderseits ist ein Angebot ausgearbeitet und mittlerweile in den Regelbetrieb überführt worden für Menschen mit Demenz, die aufgrund ihrer Erkrankung und sozialer Isolation nicht in der Lage sind, selbst Hilfe zu holen (Aufsuchendes Angebot «AIDA-Care»). Ein elektronisches Beratungstool für Altersstellen («BAS») in den Gemeinden unterstützt diese bei Beratungen und in der Entscheidfindung unter ethischen Gesichtspunkten; dieses Tool steht den Gemeinden gratis zur Verfügung. Für die Koordination von Leistungserbringern und Kostenträgern rund um komplexe Fälle ist das Modell «CareNet+» aufgebaut worden. Wichtige Grundlagenarbeiten sind auch für die Versorgung von Menschen mit Demenz und schwersten Verhaltungsstörungen geleistet worden. Zudem ist ein Projekt angelaufen, das Grundlagen für die Überarbeitung der Aufgaben- und Verantwortungsbereiche der Pflegeexpertinnen und -experten gegenüber Patienten und Ärzten im Fall von chronischen Erkrankungen mit einem speziellen Fokus auf das Thema Demenz («CASE») erarbeitet. Ein weiteres Projekt soll Gemeinden unterstützen, «demenzfreundlich» zu werden.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass das Thema Demenz die Gesellschaft vor grosse Anforderungen stellt. Eine langfristige sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen allen Akteure ist wichtig (Pro Senectute Kanton Zürich), damit effektive und effiziente Massnahmen ergriffen werden können, die unterstützen, wo notwendig (Alzheimervereinigung Kanton Zürich). Die Gemeinden im Kanton Zürich sind zudem finanziell gefordert, weil sie hauptverantwortlich für die Finanzierung im Sozial- und Pflegebereich sind. Sie sind besonders an koordinierten, im Verbund bereitgestellten Lösungen interessiert.

Breit abgestützte Organisation für die Querschnittsaufgabe Demenz

Die nationale Demenzstrategie wird nach rund fünfjähriger Laufzeit 2019 abgeschlossen. Die Herausforderungen bleiben darüber hinaus aber bestehen ‒ auch im Kanton Zürich. Der Umgang mit Demenz und die Schaffung günstiger Alltagsverhältnissen für Menschen mit Demenz sollten zu einer dauerhaften Querschnittsaufgabe über alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg werden. Der Kanton will diese Entwicklung mit der Gründung einer Institution für die Koordinierung, Initiierung und Kommunikation unterschiedlichster Aktivitäten fördern. Deren gemeinsames Ziel es ist, für eine gute Lebensqualität von Menschen mit Demenz und zur Befähigung der Gesellschaft im Umgang mit ihnen zu sorgen. Die Aktivitäten sollen dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz möglichst lang und möglichst gut in der Gesellschaft integriert sind. Der Regierungsrat hat der Gesundheitsdirektion, zusammen mit der Sicherheitsdirektion und der Direktion der Justiz und des Innern, einen entsprechenden Auftrag erteilt. Die Gesundheitsdirektion wird dabei unterstützt durch den Gemeindepräsidentenverband, die Alzheimervereinigung und Pro Senectute Kanton Zürich.

(Medienmitteilung des Regierungsrates)

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